Interview mit Robin Morgenstern

Von der Kopiermaschine zur digitalen Lösung: Wie die Morgenstern AG neue Maßstäbe in der Branche setzt.

Wie gelingt es, ein Unternehmen neu auszurichten, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren? Die Morgenstern AG hat sich vom klassischen Druckdienstleister zu einem modernen Lösungsanbieter für Dokumentenmanagement und Digitalisierung entwickelt. Im Interview spricht Robin Morgenstern über die Entwicklung der Marke, den Wandel vom reinen Hardware- und Servicegeschäft hin zum 360-Grad Berater und Dienstleister und die Bedeutung von Veränderung, Vertrauen und klarer Haltung.Seit 2021 leiten Johannes und Georg Uihlein die Geschäfte von EPflex und setzen auf Innovation und klare Kommunikation. Im Interview geben sie spannende Einblicke in ihre Führungsphilosophie, die Herausforderungen der Medizintechnikbranche und ihre Visionen für die Zukunft des Unternehmens.

Robin Morgenstern 

Vorstandsvorsitzender der Morgenstern AG

#1
Welcher Spruch prägt Ihre Arbeit?

Einen festen Spruch, der mich prägt, habe ich nicht. Viele Unternehmer haben so etwas, aber für mich persönlich gibt es nicht diesen einen Leitspruch oder eine Person, der ich nachstrebe. Vielmehr sind es viele verschiedene Persönlichkeiten, von denen ich mir Dinge abschauen und die mich in meiner Arbeit beeinflussen.
 
Was mich jedoch stark prägt, ist das Leitmotto von Morgenstern: „Veränderung wagen, Zukunft gestalten“. Dieses Motto steht sowohl nach innen als auch nach außen für uns. Es ist nicht nur das, was ich persönlich anstrebe, sondern auch das, was wir für unsere Kunden und das gesamte Morgenstern-Team umsetzen wollen. Dieses Leitbild haben wir erst vor zwei Jahren eingeführt, aber es passt gut zu unserem Weg, da es unsere Entwicklung und Ausrichtung der letzten Jahre widerspiegelt. Es wird für uns sicherlich noch lange als Synonym für das, was wir tun, stehen.
 

#2
Wer ist Robin Morgenstern?

Ich bin Familienvater, verheiratet und habe zwei Kinder. Geboren in Reutlingen, habe ich dort die Schule besucht, bevor ich zur Bundeswehr ging. Nach dem Wehrdienst machte ich eine kaufmännische Ausbildung und entschloss mich, meinen eigenen Weg zu gehen. Mein Plan war es, mit etwa 30 oder 35 Jahren zu entscheiden, ob ich ins Familienunternehmen eintreten möchte.
Nach der Ausbildung studierte ich Betriebswirtschaft und gründete während des Studiums ein Unternehmen im Immobilienbereich. Wir bauten eine Projektentwicklungsgesellschaft und Immobilienvermarktung erfolgreich auf.
 
Als eine Tochtergesellschaft des Familienunternehmens in Schieflage geriet, bat mich mein Vater um Unterstützung. Ich trat ins Unternehmen ein und half, es neu zu strukturieren – eine der prägendsten und herausforderndsten Erfahrungen meines Berufslebens.
Nach der Stabilisierung übernahm ich 2005 die Vertriebsleitung und wurde 2009 in den Vorstand berufen. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage konnten wir uns gut behaupten, dank unseres breiten Kundenportfolios.
 
Privat bin ich ein Familienmensch und genieße die Zeit mit meiner Frau und meinen zwei Kindern.

#3
Was macht die Morgenstern AG?

Die Morgenstern AG startete 1971 im Bereich Drucken und Kopieren und hat sich zum führenden unabhängigen Dokumentensystemhaus im Südwesten entwickelt. Heute helfen wir Unternehmen, ihre analogen und digitalen Dokumentenprozesse effizient zu gestalten – mit dem Ziel: weniger Papier, mehr digitale Abläufe.

 

Unser Schwerpunkt liegt auf der Kombination von Druck- und Digitalprozessen. Dabei setzen wir nicht auf eine Standardsoftware, sondern entwickeln individuelle Lösungen aus verschiedenen Systemen – stets mit Fokus auf echten Mehrwert für unsere Kunden. Wir betreuen rund 4.500 Kunden – vom kleinen Betrieb bis zum großen Mittelständler, vor allem in Industrie, Dienstleistung, öffentlichem Sektor und Gesundheitswesen. Beratung steht bei uns im Mittelpunkt – keine Standardprodukte, sondern individuelle Lösungen.

 

Besonders im Softwarebereich arbeiten wir nach dem „as-a-Service“-Modell: Der Kunde zahlt für den Nutzen, etwa Zeit- oder Personalersparnis. Da sich Systeme ständig weiterentwickeln, begleiten wir die Kunden auch nach der Einführung und sorgen für stabile Abläufe.
Die Digitalisierung verläuft schrittweise. Nicht jeder Prozess kann sofort umgestellt werden – wichtig ist, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Denn nur wenn Menschen die Veränderung mittragen, funktioniert sie auch.

#4
Wie sieht die Markenstrategie der Morgenstern AG aus?

Die Markenstrategie der Morgenstern AG basiert auf einem flexibel nutzbaren Lösungsportfolio, das sich kontinuierlich an die Bedürfnisse und Entwicklungen der Branche anpasst. Statt auf ein einzelnes Produkt oder einen Hersteller zu setzen, bietet das Unternehmen die jeweils besten Lösungen aus dem Markt und stellt den Kunden einen konstant starken Service sowie eine langfristige Partnerschaft in Aussicht. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle: Morgenstern positioniert sich als zuverlässiger Ansprechpartner, der tief in die Geschäftsprozesse der Kunden eingebunden ist. Das Ziel ist es, weg vom Image als reinen Druck- und Kopier-Anbieter zu kommen und die Marke als modernen Lösungsanbieter zu etablieren.

#5
Welche Relevanz hat Social Media in der Branche?

Soziale Medien gewinnen zunehmend an Bedeutung – sowohl für die Kommunikation der Markenwerte als auch für die Kundenbindung. Sie ermöglichen es Morgenstern, Expertise zu teilen, neue Botschaften zu verbreiten und das moderne Leistungsportfolio sichtbar zu machen. Besonders im Recruiting spielen sie eine wichtige Rolle, etwa zur Ansprache junger Talente unter 30. Azubis bringen sich aktiv ein und helfen, Trends zu erkennen und authentisch auf Plattformen wie Instagram oder bald auch TikTok präsent zu sein. 

 

Social Media beeinflusst zwar nicht direkt das Tagesgeschäft, stärkt jedoch langfristig das Markenbild und die Sympathie. Es ist ein wirkungsvolles Mittel, um das nicht mehr zutreffende Bild des reinen Druck-Anbieters zu korrigieren und digitale Lösungen in den Fokus zu rücken.

#6
Wie sehen die Zukunftspläne der Morgenstern AG aus wirtschaftlicher und marketingtechnischer Sicht aus?

Zukünftig strebt Morgenstern ein klares Wachstum an – insbesondere im Softwarebereich. Der Fokus liegt auf dem Ausbau digitaler Vertriebs- und Kommunikationskanäle, um Lösungen breiter bekannt zu machen und die Kundenbindung weiter zu stärken. Vertrauen bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor, vor allem durch enge, langfristige Zusammenarbeit mit den Kunden. Im Bereich Employer Branding ist geplant, TikTok professioneller zu nutzen, um die Sichtbarkeit bei jungen Zielgruppen zu erhöhen. Die interne Marketingabteilung wird hierbei durch externe Agenturen unterstützt – etwa bei der Entwicklung neuer Claims oder Leitbilder. Auch in der Mitarbeitersuche setzt Morgenstern auf eine Kombination aus digitalen Kanälen, persönlicher Empfehlung und gezielter Ausbildung zur langfristigen Mitarbeiterbindung.